Bankkonto im Ausland eröffnen: Schritt-für-Schritt
Ein lokales Bankkonto ist für Auswanderer unverzichtbar. Wir erklären, welche Dokumente Sie brauchen und wie Sie das Henne-Ei-Problem bei der Adresssuche lösen.
In einer idealen Welt könnten Sie alles mit Ihrem deutschen Konto erledigen. In der Realität stoßen Sie schnell an Grenzen: Der spanische Stromanbieter will eine spanische IBAN für das Lastschriftverfahren, der Vermieter in Portugal bevorzugt eine lokale Bank für die Mietzahlung, und die Kfz-Steuer in Griechenland lässt sich oft nur über ein lokales Konto abwickeln. Ein lokales Konto ist daher Pflicht.
Traditionelle Banken vs. Neo-Banken
Für den Start haben Sie zwei Möglichkeiten:
- Neo-Banken (Revolut, N26, Wise):
- Vorteil: Eröffnung per App in 10 Minuten, oft kostenlos, Multitransfer-Währungen.
- Nachteil: Bieten oft keine lokalen IBANs für jedes Land an (z.B. N26 bietet oft eine deutsche IBAN, außer in Spanien/Frankreich).
- Traditionelle lokale Banken:
- Vorteil: Lokale IBAN, persönlicher Ansprechpartner, einfacherer Zugang zu Krediten oder Hypotheken.
- Nachteil: Monatliche Gebühren, Bürokratie bei der Eröffnung.
Erforderliche Dokumente
Die Anforderungen sind durch EU-Geldwäsche-Richtlinien strenger geworden. Sie benötigen meist:
- Identitätsnachweis: Gültiger Reisepass oder Personalausweis.
- Steuernummer des Gastlandes: Ohne NIE (Spanien), NIF (Portugal) oder AFM (Griechenland) geht nichts.
- Nachweis des Wohnsitzes: Ein Mietvertrag oder eine aktuelle Stromrechnung (Utility Bill).
- Einkommensnachweis: Rentenbescheid, Arbeitsvertrag oder die letzte Steuererklärung aus Deutschland (oft als Nachweis der Mittelherkunft).
Achtung: Das Henne-Ei-Problem Viele Banken verlangen eine Stromrechnung als Adressnachweis. Der Stromanbieter verlangt aber ein Bankkonto für den Vertrag. Lösung: Einige Banken bieten “Nicht-Residenten-Konten” an, die man mit dem deutschen Ausweis und der ausländischen Steuernummer eröffnen kann. Sobald Sie gemeldet sind, stellen Sie das Konto auf “Resident” um.
Empfohlene Banken für Auswanderer
- Spanien:
- Sabadell: Sehr expat-freundlich, bieten oft englischsprachigen Service.
- BBVA: Gute App, bietet Konten für Nicht-Residenten.
- Portugal:
- ActivoBank: Die modernste Option, oft komplett kostenlos.
- Millennium BCP: Größtes Filialnetz, solide für Residenten.
- Griechenland:
- Eurobank oder Alpha Bank: Beide haben Erfahrung mit ausländischen Kunden.
Online oder Filiale?
In Südeuropa ist der persönliche Kontakt noch wichtig. Wir empfehlen, für die erste Eröffnung eine Filiale in einem Gebiet mit vielen Ausländern aufzusuchen. Dort sprechen die Mitarbeiter meist Englisch oder sogar Deutsch.
Steuerliche Pflichten
Vergessen Sie nicht: Als deutscher Staatsbürger mit Wohnsitz in Deutschland (oder wenn Sie noch eine Steuererklärung abgeben) müssen Sie ausländische Konten ggf. dem Finanzamt melden. Innerhalb der EU findet ohnehin ein automatischer Informationsaustausch statt.
Nächste Schritte Checklist
- Lokale Steuernummer beantragen (NIE/NIF etc.).
- Rentenbescheid/Einkommensnachweis übersetzen lassen (falls gefordert).
- Bank auswählen (Gebühren vergleichen!).
- Termin in der Filiale vereinbaren oder Online-Antrag starten.
- Daueraufträge von Deutschland auf das neue Konto umstellen.
Stand: 3. Januar 2026