Mit Kindern auswandern: Schulsysteme und Integration
Schule im Ausland: Wir vergleichen Schulsysteme in Spanien, Portugal und Frankreich und geben Tipps für die Integration und Sprachlernphase Ihrer Kinder.
Eine Auswanderung mit schulpflichtigen Kindern ist ein Projekt, das weit über Logistik und Finanzen hinausgeht. Das soziale Wohlbefinden und die Bildungschancen der Kinder stehen im Mittelpunkt. Die gute Nachricht: Kinder sind erstaunlich anpassungsfähig, wenn sie gut begleitet werden.
Die Wahl der Schule: Drei Wege
Bevor Sie umziehen, müssen Sie entscheiden, welcher Schultyp für Ihre Kinder der richtige ist:
- Lokale staatliche Schulen (Colegios públicos):
- Vorteil: Schnelle Integration in die lokale Gemeinschaft, Beherrschung der Landessprache in Rekordzeit, kostenlos.
- Nachteil: Großer Druck am Anfang, eventuell geringeres akademisches Niveau als in Deutschland.
- Internationale/Deutsche Schulen:
- Vorteil: Unterricht oft auf Deutsch oder Englisch, deutsches Abitur oder International Baccalaureate (IB), einfacherer Übergang.
- Nachteil: Sehr hohe Schulgebühren (oft 500 - 1.500 € pro Monat), oft lange Anfahrtswege, weniger Kontakt zu Einheimischen.
- Staatlich gestützte Privatschulen (z.B. Concertados in Spanien):
- Vorteil: Ein Mittelweg mit moderaten Gebühren und oft höherem Standard als rein staatliche Schulen.
Schulsysteme im Vergleich
- Spanien: Schulpflicht von 6 bis 16 Jahren. Das System ist unterteilt in Primaria (6-12) und Secundaria/ESO (12-16). Danach folgt das Bachillerato (Abitur-Äquivalent). Die Schulen sind oft sehr familiär und kinderfreundlich.
- Portugal: Schulpflicht bis 18 Jahre. Die Grundschule (Ensino Básico) dauert 9 Jahre, gefolgt von der 3-jährigen Ensino Secundário. Portugal investiert stark in die Digitalisierung der Schulen.
- Frankreich: Bekannt für ein sehr strukturiertes und anspruchsvolles System. Die Tage sind lang (oft bis 16:30 oder 17:00 Uhr), aber es gibt eine exzellente Mittagsverpflegung (Cantine).
Sprachbarrieren und Integration
“Kinder lernen die Sprache in drei Monaten” – dieses Klischee stimmt nur bedingt. Ja, sie lernen schnell, aber die ersten Wochen sind emotional anstrengend.
- Tipp: Beginnen Sie mit einem Sprachkurs bereits in Deutschland.
- Vorbereitung: Lassen Sie die Kinder Filme in der Zielsprache schauen oder nutzen Sie spielerische Apps.
- Unterstützung: Viele lokale Schulen bieten spezielle Förderprogramme für “Neuankömmlinge” ohne Sprachkenntnisse an.
Anmeldung und Dokumente
Für die Einschreibung benötigen Sie meist:
- Geburtsurkunde (international).
- Impfpass (nach nationalem Standard des Ziellandes).
- Die letzten zwei Zeugnisse (übersetzt).
- Nachweis über den Wohnsitz (Mietvertrag).
- Abmeldebescheinigung der deutschen Schule.
Anerkennung von Abschlüssen
Innerhalb der EU ist die gegenseitige Anerkennung von Schuljahren gesetzlich geregelt. Dennoch sollten Sie vor dem Umzug klären, wie das aktuelle Schuljahr angerechnet wird, besonders wenn das Kind kurz vor dem Abschluss steht.
Achtung: Ein Wechsel während der Oberstufe (Klassen 11-13) ist extrem riskant und sollte vermieden werden, da die Lehrpläne für das Abitur/Bachillerato stark voneinander abweichen.
Tipps für eine gelungene Integration
- Sportvereine: Melden Sie Ihre Kinder sofort im lokalen Fußball-, Tennis- oder Tanzverein an. Sport ist die universelle Sprache.
- Ferienzeiten beachten: In Südeuropa sind die Sommerferien oft 3 Monate lang. Nutzen Sie diese Zeit für Sprachcamps vor Ort.
- Geduld: Erwarten Sie im ersten Jahr keinen Notendurchschnitt von 1,0. Die Sprache ist die eigentliche Leistung.
Nächste Schritte
- Entscheiden Sie sich für einen Schultyp (Staatlich vs. Privat).
- Besuchen Sie potenzielle Schulen vor Ort (Tag der offenen Tür).
- Lassen Sie Zeugnisse und Urkunden übersetzen.
- Klären Sie mit der deutschen Schule die Abmeldeformalitäten.
- Suchen Sie einen Sprachlehrer für die Übergangsphase.
Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Bei konkreten Fragen zu Ihrer persönlichen Situation empfehlen wir, einen spezialisierten Berater zu konsultieren.